Detlef Detlefsen - Ein Lebensbild

Gert und Hans-Detlef Lehmann (Enkel), 1956

Detlef Detlefsen - Ein Lebensbild
Nun sitz ich wiederum daheim
An meiner Weser grünem Strand,
Und hinter mir liegt, ach wie weit,
Die Fahrt nun ins gelobte Land.
Vor fünfundzwanzig Jahren war's-!
Und wenn ich denke jener Zeit,
Und wenn ich denke jenes Jahr's
Voll Schönheit und Glückseligkeit,
Sag ich zu mir im Stillen dann,
Und wer auch stimmte mir nicht zu,
"Das Beste doch, was ich gewann
Auf meiner Rom fahrt, das warst Du!"

Diese Zeilen widmete Hermann Allmers, der Dichter der Wesermarsch. als Schlußvers eines Gedichtes seinem Freunde Detlef Detlefsen, seinem lieben "Mitschlenderer durch Rom", wie er ihn gerne nannte, zur Feier der fünfundzwanzigsten Wiederkehr des 14. X. 1858, des Tages, an dem sie auf der gemeinsamen Italienfahrt die ewige Stadt zu ihren Füßen liegen sahen. Die ganze Innigkeit des Verhältnisses dieser beiden Männer kommt in diesen Zeilen zum Ausdruck.

Hermann Allmers ist durch sein prachtvolles Marschenbuch und seine tiefempfundenen "Römischen Schlendertage" als Schriftsteller bekannt, Detlef Detlefsen durch sein grundlegendes Werk "Die Geschichte der holsteinischen Elbmarschen" sowie durch seine "Naturgeschichte des Plinius" und viele wissenschaftliche Abhandlungen. Selten hat wohl jemand, der "vieler Menschen Städte sah und ihren Sinn kennen lernte", so sehr an seiner Heimat gehangen, ihr zuliebe auf eine äußerlich glänzende Karriere verzichtet und sich mit so unermüdlichem Fleiß und tiefem Verstehen in ihre Geschichte und Eigenart hineingearbeitet wie Detlef Detlefsen. Einer alten schleswig-holsteinischen Familie entstammend, die ihren letzten nachweislichen Ursprung auf den Birkschreiber (Birk, dänisch. ein aus dem Hardenverband abgesondertes Gebiet) und Teilungsvogt Detlef Hinrichsen in Ballum bis in den Ausgang des siebenzehnten Jahrhunderts hinleitet, wurde Sönnich Detlef Friedrich D e t 1 e f s e n am 25. IX. 1833 in Neuendeich bei Uetersen in Holstein als erster von sieben Kindern des Lehrers Detlef Detlefsen und seiner Gemahlin Anke Sophie, geb. Sönnichsen geboren. Sein Großvater und Urgroßvater hatten als Spitzenhändler und -fabrikanten ein Jahrhundert lang in Tondern gelebt, wo letzterer auch das Amt eines Ratsherrn innehatte. Dessen Vater wiederum war der schon oben erwähnte Detlef Hinrichsen aus Ballum, zu dessen Zeiten es in dieser Gegend noch keine feststehenden Familiennamen gegeben hatte.

Sein geistiges Rüstzeug empfing Detlef Detlefsen auf der Gelehrtenschule in Glückstadt, die er von Michaelis 1842 bis Michaelis 1850 besuchte. Der Schulbetrieb nach Umfang und Art entsprach restlos seiner Neigung, denn der alten Schleswig-Holsteinischen Gelehrtenschule Stärke war zu damaliger Zeit eine recht tüchtige philologische Durchbildung. Die alten Sprachen standen im Lektionsplan allen anderen Fächern mehr voran als auf den heutigen Gymnasien. Im Lateinischen las man mehr Schriftsteller, besonders Dichter; die Übersetzung lateinischer Schriften ins Griechische war in Prima durchweg üblich. Indeß wurden auch neuere Sprachen nicht vernachlässigt, vor allem das Englische eifrig betrieben. In den holsteinischen Gymnasien wurde es von Quarta an gelehrt. So las man in Prima die schwierigsten Dramen Shakespeares und übertrug Abschnitte deutscher Dramen ins Englische. Die Anforderungen in den Naturwissenschaften waren geringer, und die Geschichte wurde offenbar in akademischer Weise betrieben. Mit 17 Jahren bestand Sönnich Detlef Friedrich Detlefsen sein Maturitätsexamen mit dem ersten Charakter. Sein glänzendes Zeugnis, in dem ausschließlich die Noten "großenteils sehr gut, "größtenteils sehr gut" und "sehr gut" vorkamen, zeugt von seinen hervorragenden Leistungen und seinem vielseitigen Interesse, das ihm während seines ganzen Lebens treu geblieben ist.

Im Herbst 1850 bezog er die Universität, um Philologie und Theologie zu studieren. Zunächst ging er auf die Landesuniversität Kiel, dann besuchte er Bonn und Berlin, um zum Schluß wieder nach Kiel zurückzukehren, wo er am 24.IV. 1855 summa cum laude promovierte. - So war für den jungen Doktor die Zeit des eigentlichen Lernens vorbei, und dem noch nicht zweiundzwanzig jährigen stand die Welt offen. Er nahm, wie es damals vielfach üblich war, eine Stelle als Hofmeister bei dem k. u. k. Hofrat von Rosenfeldt in Wien an, dessen jungen Sohn er zu unterrichten hatte. Er selbst mag gefühlt haben, daß er zu Beginn dieser seiner Wanderjahre an einem entscheidenden Punkt seines Lebens angelangt war. War es ein unbestimmtes Gefühl des Zagens angesichts der ihm bevorstehenden Aufgaben, die das praktische Leben an ihn stellen würde, oder war es eine Vorahnung kommenden Forscherruhms, was ihn so lebhaft beeindruckte? - - genauer läßt er sich darüber nicht aus. Doch wirft der Inhalt des Vorworts zu seinem Tagebuch, welches er Anfang Oktober 1855 in Wien begann, ein bezeichnendes Licht auf sein Innenleben. Nach seinen eigenen Worten fühlt er, der bisher in dem Bewußtsein folgerichtiger Entwicklung auf seelischem und wissenschaftlichem Gebiete ruhig und gleichmäßig dahingelebt hat, plötzlich, wie er seine eigenen Gefühle und Ansichten völlig leugnen und umkehren kann, wie er innerlich wankelmütig wird. Er fühlt das Bedürfnis, sich öfter über sich selbst Rechenschaft zu geben, und beschließt deshalb, sich ein Tagebuch einzurichten. Das Besondere an diesem Tagebuch ist, daß sein Inhalt nicht aus landläufigen Tagebuchaufzeichnungen besteht, sondern aus den chronologisch geordneten Briefen an Verwandte und Freunde während der Wiener Jahre. So gewinnen wir bei der Lektüre des Buches auf eine ganz eigene Art Einblick in sein inneres und äußeres Erleben zu damaliger Zeit. Das Tagebuch ging, nachdem es nur ungenügend ausgebeutet war, leider in Stolp in Pommern durch den Krieg verloren. Um es gleich vorwegzunehmen: in rein dienstlicher, wie in persönlicher Hinsicht hat er in dem Hause des Hofrats nicht allzu viel Freude erlebt. Sein Zögling war durchweg faul, zerfahren und unselbständig, dabei offenbar mehrere Jahre hinter seinen norddeutschen Altersgenossen zurück und ohne echtes Selbstbewußtsein. In einem Briefe an seinen Freund Dr. Bahnsen beklagt er sich bitter darüber, daß in Wien sich die Väter zu wenig darum kümmern, was mit ihren Kindern geschieht, und die Weiber das Regiment über die Kinder führen. So war seine Stellung als Hauslehrer schwer. Dann fühlte er sich auch fremd in Wien, da die Lebensverhältnisse so anders waren als in Norddeutschland. Vor allem Weihnachten und Neujahr wartete er vergeblich auf das Eintreten jener geheimnisvoll-innigen Feststimmung, die in unserer Heimat mit ihrem Zauber diese hohe Zeit des Jahres umfängt. Um so lebhafter begrüßte er es, für die Zeit seiner Erholung einen kleinen Kreis von Akademikern, meist Ausländern, - vortrefflichen Leuten, wie er sagt, - zu finden. Man kam wöchentlich wenigstens einmal zusammen, wobei es gelegentlich recht fidel zuging. Die Hauptanziehungskraft bildete für ihn aber die Hofbibliothek, wo er in seiner verhältnismäßig langen Freizeit täglich zu arbeiten pflegte, und deren reiche Schätze ihn vollauf für alles Sonstige, was er entbehren mußte, entschädigten. Er veröffentlichte die Ergebnisse seiner Forschungen in den Sitzungsberichten der philosophisch-historischen Klasse der kaiserlichen Akademie. Sie betrafen Cicero-Handschriften, griechische und römische Urkunden, sowie ein griechisches Palimpsest. Die bedeutsamste Urkunde aber, die ihm in der Hofbibliothek beim Forschen nach etwas zur Bearbeitung Brauchbarem in die Hände kam, war eine Handschrift der Naturgeschichte des älteren Plinius. Die erste Nachricht hierüber findet sich in einem Brief an Bahnsen vom 8. XII. 1855, wo er diesem stolz seinen Fund mitteilt. Es heißt hier: " - - - In der letzten Zeit fand ich endlich etwas Brauchbares, das alle meine freie Zeit in Anspruch nahm. Es fanden sich auf der Hofbibliothek einige Fragmente von Plin. Histor. natur., jämmerliche Pergamentstreifen, die zum Bande einer alten Papyrushandschrift gehörten, zerschnitten, zerrissen, zerstoßen, von Motten zerfressen und zerscheuert. - - - Mit der größten Ruhe, und, wie Du Dir denken kannst, mit einem heiligen Eifer habe ich mich daher über diese teuren Reliquien gemacht und meine Kunst an ihnen versucht. Gegenwärtig bin ich. damit beschäftigt, die Resultate meiner Untersuchungen zusammen zu stellen und womöglich für die hiesige Akademie der Wissenschaften zu bearbeiten."

Diese "jämmerlichen Pergamentstreifen" sollten nun die Grundlagen werden für eine Arbeit, die ihn jahrzehntelang beschäftigte und seinen wissenschaftlichen Ruhm begründete, nämlich für das sechs Bände starke Werk C. Plinii Secundi Naturalis Historia, das in den Jahren 1866 - 1882 erschien. Vorerst faßte er den Plan, von der ganzen Schrift eine neue, auf der Vergleichung vieler Handschriften beruhende Ausgabe zu veranstalten. Die Arbeit nimmt ihn so gefangen, daß er dem Etatsrat Dr. Trede, der ihm durch seinen alten Kieler Lehrer Professor Curtius eine Hauslehrerstelle beim Oberpräsidenten von Altona, Grafen Scheel-Plessen, verschaffen wollte, trotz seines dienstlichen Ärgers im Hause des Hofrates abschreibt. So gingen bei gesegneten wissenschaftlichen Arbeiten die Wiener Jahre dahin, und seine ihm schon lange innewohnende Sehnsucht nach Italien wurde immer mächtiger. 1858 wurde eine Bewerbung bei der königlichen Regierung in Kopenhagen um ein Reisestipendium günstig beschieden, und er sah sich am Ziel seiner Wünsche. Ein Erlebnis seiner Wiener Zeit soll hier nicht unerwähnt bleiben: Er kam mit Theodor Mommsen anläßlich dessen Aufenthaltes in Wien näher zusammen. Dieser, damals etwa 40 Jahre alt und Professor an der Universität Berlin, mag Gefallen gefunden haben an seinem jungen Landsmann. Jedenfalls ermutigte Detlefsen das freundliche Wohlwollen, welches jener ihm erwies, sich von Wien aus, als die Italienfahrt bereits beschlossene Sache war, schriftlich an ihn mit der Bitte um Empfehlungen und Aufträge in Italien zu wenden, die ihm auch gegeben wurden. Briefe Mommsens an Detlefsen aus späteren Jahren zeigen, daß das derzeit geknüpfte geistige Band zwischen ihnen bestehen geblieben ist.

Nach seinem Wiener Aufenthalt begab sich Detlefsen zunächst zu seinen Eltern und trat dann Mitte September 1858 seine Italienreise an. Sie ging von Glückstadt über Berlin, wo er Mommsen besuchte, und Breslau nach Wien. Hier nahm er an einer Philologenversammlung teil und fuhr dann weiter über Triest, Venedig, Verona, Modena, Bologna, Florenz nach Rom. Über seinen Reiseweg gibt uns sein heute noch erhaltener Reisepaß aus jener Zeit vorzügliche Auskunft. Neben der Fortsetzung seiner Pliniusarbeiten durchforschte er vor allem in Florenz und im Vatikan die Handschriften und arbeitete nebenher noch im Auftrage Napoleons III. über Cäsar. Auf dieser Fahrt trifft er in Bologna mit Allmers zusammen. Nachdem die beiden bereits vorher in Wien in den Sammlungen, auf Spaziergängen und in der "großen Tabakspfeife" anregende Stunden miteinander verlebt hatten, tritt von nun an eine Erneuerung und Festigung dieser Bekanntschaft ein, die zur unverbrüchlichen Freundschaft bis an das Lebensende der beiden Männer führen sollte. Allmers und Detlefsen setzten ihre Reise von Bologna nach Florenz gemeinsam fort, und Allmers schreibt darüber in seinem ausführlichen Brief vom 21. X./5. XI. 1858 an seine Angehörigen, daß die beiden ersten gemeinsamen Reisetage mit Detlefsen zu den glückseligsten von allen gehörten, die er je genossen habe. Da die Interessen der beiden Reisegefährten fast auf denselben Gebieten lagen, bezw. doch auf verwandten, verstand es sich, daß sie sich bestens ergänzten und auch weiterhin zusammenblieben. Von Florenz aus machten beide einen Abstecher nach Pisa. Detlefsen reiste alleine nach Lucca weiter, um in der dortigen Bibliothek einem alten Manuskript auf die Spur zu kommen, während Allmers noch einen Tag in Pisa blieb. Am 6. XI fuhren die beiden mit der Bahn von Florenz aus weiter nach Siena, dessen reicher Architektur zwei Tage geweiht wurden, und dann mit einem Mietwagen sechs Tage durch Schneesturm nach Rom. Über diese, von manchen Hindernissen erfüllten letzten Tage der Fahrt berichtete Allmers aus Rom später außerordentlich anschaulich. Am Mittag des 13. XI. lag dann plötzlich die ewige Stadt zu ihren Füßen. "Eccola Roma," schreibt er, "riefen wir freudig aufjauchzend, wie wenn der Schiffer nach langer Meerfahrt endlich sein "Land, Land" jubelt, und reichten und drückten uns vor Freude die Hände, als wir das herrliche Ziel unserer Sehnsucht so plötzlich vor uns liegen sahen."

Über die gemeinsam in Rom verlebte Zeit geben uns Allmers' "Römische Schlendertage" wohl den besten Aufschluß. Es würde außerdem zu weit führen, hier auf Einzelheiten einzugehen. Nur der Colonna-Gesellschaft, jenes Kreises von Wissenschaftern, Gelehrten und Künstlern, dem auch bald die beiden Freunde als tägliche Gäste des Café Colonna angehörten, soll hier noch Erwähnung getan werden als dem Bande, das sie noch viele Jahre mit ihren Weggenossen aus jener für beide so reichen Zeit verband.

Die Wohnung der Freunde befand sich an einer der herrlichsten und bedeutsamsten Stellen Roms, auf dem heiligen Berg des Capitols selber, im Gebäude des deutschen archäologischen Instituts, welches ein wahres Stück Heimat, ein echter Teil deutschen Lebens und Strebens mitten in der Fremde genannt werden darf, wie Allmers in seinen Schlendertagen schreibt. Nur während des Sommers, wo die unheilschwangere Fieberluft die Gesundheit bedrohte, wohnte Detlefsen im Gebirge, im schönen, waldgrünen Aricia. Im Sommer 1862 kehrte Detlefsen Italien den Rücken, nachdem Allmers schon einige Zeit vorher zurückgekehrt war. Zunächst wandte er sich seiner Heimat zu, um nach kurzem Aufenthalt dortselbst nach Paris weiterzureisen. Hier hatte er seiner oben erwähnten Cäsararbeiten wegen zu tun. Während seines kurzen Aufenthalts in der Heimat wurde das Wiedersehen mit seinen Freunden auf einer Zusammenkunft gebührend gefeiert. Man erkennt deutlich aus deren Briefen an ihn, wie lieb ihnen der Heimgekehrte war und wie sehr sie sich alle auf das Wiedersehen mit ihm, dem nunmehr Weitgereisten freuten, zumal er für einige von ihnen in Italien Aufträge in uneigennützigster Weise, wie es immer seine Art gewesen ist, erledigt hatte.

Im Jahre 1863 kehrte er endgültig in die Heimat zurück und war als Hilfslehrer zunächst in Kiel und 1864 in Flensburg tätig. Am 1. X. 1865 wurde er an der Gelehrtenschule in Glückstadt als fünfter Lehrer fest angestellt. Am 7. X. des gleichen Jahres erfolgte seine Ernennung zum Collaborator, die mit dem Scheiden seines Vorgängers aus dem Amte in Kraft treten sollte. Am 27. XII. 1865 wurde ihm durch eine von dem österreichischen Statthalter, Feldmarschall Gablenz, persönlich unterzeichnete Urkunde mitgeteilt, daß er nunmehr mit einem bestimmten Gehalt fest angestellt sei. Allmählich rückte er nun zum ersten Oberlehrer auf und erhielt am 30. X. 1873 durch Königliche Urkunde den Titel Professor, damals noch eine Auszeichnung für wissenschaftliche Tätigkeit. Durch Ernennungsurkunde König Wilhelms I. vom 17. II. 1879 wurde er dann zum Gymnasialdirektor der Gelehrten-Schule in Glückstadt ernannt. Am 29. VIII. 1890 wurde ihm von Kaiser Wilhelm II. der Rote Adler-Orden 4. Kl. verliehen. Am 1. X. 1904 legte er sein Amt als Gymnasialdirektor nieder, das er 25 Jahre hindurch inne gehabt hatte, und trat in den Ruhestand über, nachdem ihm vom Kaiser am 29. VIII. 1904 der Charakter eines Geh. Reg.-Rates verliehen worden war. Wer nun geglaubt hatte, daß dieses einen Übertritt in den wirklichen Ruhestand für Detlefsen bedeutet hätte, der kannte die Schaffenskraft des nunmehr Einundsiebzigjährigen nicht, der sich, durch berufliche Abhaltung ungehemmt, ganz seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmen konnte und nur immer Klage darüber führte, daß der Tag für die Unmenge von Arbeit, die noch vor ihm liege, nicht lang genug sei. - Plinius und die engere Heimat bildeten die Hauptgegenstände seiner Arbeit. Verschiedene Abhandlungen über Plinius, Cäsar, Lucan und über alte Inschriften Italiens waren die ersten Veröffentlichungen seiner Jugendzeit gewesen. Seit 1866 übergab er dann der Öffentlichkeit die sechsbändige Ausgabe des Plinius, die wegen der sorgfältigen Vergleichung der Handschriften ein Werk von dauerndem Werte bleiben wird. Spezialuntersuchungen über plinianische Fragen, über lateinische Wörter, und eine Zusammenstellung sämtlicher Lesarten in den geographischen Büchern der Naturgeschichte des Plinius hat er später veröffentlicht. In den Jahren 1890-1892 veröffentlichte er dann das umfangreiche zweibändige Werk über die "Geschichte der holsteinischen Elbmarschen', in welchem außerordentlich viel Material verarbeitet worden ist. Hatte er doch mit der ihm eigenen peinlichsten Genauigkeit, wie sie für die Lesung alter Handschriften erforderlich ist, die Haseldorfer-, Kremper- und Wilstermarsch durchforscht und dabei verschiedene wertvolle Aktenstücke, sowie chronistische Aufzeichnungen entdeckt. Neben diesem seinem Hauptwerke liefen verschiedene Abhandlungen her, die man gerne zur Hand nimmt. In der Sieglinschen Sammlung "Die Geschichte des germanischen Nordens im Altertum; Quellen und Forschungen zur alten Geschichte" veröffentlichte er 1904: "Die Geschichte des germanischen Nordens im Altertum", in der er verschiedene alte geographische Namen, - Inseln, Völkerstämme, Landschaften, - mit neueren zu identifizieren und festzulegen suchte. Aus der Reihe seiner Arbeiten seien ferner seine in der "Zeitschrift für Schleswig-Holsteinische Geschichte' veröffentlichten wissenschaftlichen Abhandlungen genannt, nämlich: "Geschichte des Kirchspiels Neuenkirchen", "Ein Beitrag zur Geschichte des Bettels", "Das friesische Recht zu Elmshorn", "Die städtische Entwicklung Glückstadts unter Christian IV.". "Die Anfänge Itzehoes" und "Johann Rist's geschäftliches Treiben als gekrönter Poet und kaiserlicher Pfalz- und Hofgraf". Die ältere Geschichte der Glückstädter Gelehrtenschule behandelte er in mehreren Programmen seiner Anstalt. Sehr hübsch ist die Programmabhandlung "landschaftliche Schilderungen Schleswig-Holsteins bei unseren Dichtern". Von den köstlich naiven Lobpreisungen der Heimat bei Rist bis zu den lieblichen /Bildern Groths führt uns der Verfasser mit seinem gemütlichen Humor. Eine Übersicht der Marschen und ihrer Entwicklung gab er als Einleitung zu der Schrift "Die Pferdezucht in den Elbmarschen" (von Georg Ahsbahs). Eine interessante Zusammenstellung, wie die Anregungen der Heimatkunde die Bildung der Schüler fördern könnten, findet sich in den Verhandlungen der Direktorenkonferenz Schleswig-Holsteins von 1895.

Als Mitglied der "Männer vom Morgenstern" war er auch in diesem Kreise von heimatgeschichtlich interessierten Leuten immer wieder forschend tätig. Am 6. VI. 1906 ernannte ihn der Verein zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein, Hamburg, Lübeck und dem Fürstentum Lübeck zu seinem Ehrenmitgliede.

Am 28. IX. 1910 übergab er der Stadt eine von ihm selbst in jahrelanger mühevoller Arbeit zusammengetragene Sammlung von Altertümern der holsteinischen Elbmarschen. Dieses Elbmarschen-Museum erhielt im Jahre 1926, neu zusammengestellt und ergänzt, den Namen Detlefsen-Museum zu Ehren seines Gründers. In den Anlagen Glückstadts erinnert das auf Detlefsens Anregung aus aufgefundenen Kanonenkugeln aufgerichtete "Kugeldenkmal" an die Zeiten der Belagerung Glückstadts in den Jahren 1813/14. Hierher ließ er sich in späteren Jahren nach einem erlittenen Unfall gerne im Rollstuhl fahren und hatte dabei an den das Denkmal umgebenden Anlagen immer wieder seine stille Freude. Bis ins hohe Alter hinein rastlos tätig, starb er am 21. VII. 1911 in Glückstadt, wo er auf dem dortigen Friedhofe beigesetzt ist.

Ein reiches Leben hatte seinen Abschluß gefunden. Wieviel er seiner Heimat wert gewesen, das bezeugten die zahlreichen Nachrufe in heimatgeschichtlichen und anderen Blättern und Zeitungen der Provinz. Als besondere Ehrung wurde das Glückstädter Gymnasium, das drei Jahrhunderte hindurch den Namen "Glückstädter Gelehrtenschule" getragen hatte, an seinem 100. Geburtstage am 25. IX. 1933 "Detlefsen-Schule" genannt. Die Detlefsen-Gesellschaft in Glückstadt, am 18. II. 1921 gegründet, hält ebenfalls mit dem Namen des treuen Sohnes seiner Heimat die Erinnerung und Fortsetzung seines Werkes wach.

In: Hermann Allmers und Detlef Detlefsen — Briefwechsel, Hamburg 1959, S. 12 - 20, Hg. Rudolph Koop